Rennrodeln auf vereister Naturbahn. Weltcupdisziplin. Im Bild Alex Gruber; Photo: Peter Maurer/ Sportnews. bz.

Rennrodeln in schwierigem Umfeld

 Rennrodeln auf vereisten Naturbahnen (NB) ist eine Sportdisziplin, die es in sich hat. In der Schweiz gibt es keine entsprechenden Bahnen, die die Ausübung des Sports ermöglichen. Die Kernlande des NB- Rennrodelns sind das Südtirol und Österreich. Trotzdem wächst die Disziplin erfolgreich und international an, unter dem Weltverband FIL (Fédération Internationale de Luge). Heute starten bereits bis zu 25 Nationen im Weltcup.  

Die Schweiz hatte bisher nur wenige, vereinzelt aktive Athleten im Weltcup eingesetzt. Meist ohne klaren Aufbau. 

Um dies zu ändern, setzten Berner Clubs seit Jahren auf die "Umwege" und somit aufs Sportrodeln (einfachere Geräte, auch auf Schnee einsetzbar) und auf sommerliche Rollenrodeln (mit Rennrodeln auf Rollen). Diese beiden Disziplinen werden international unter dem Dach der ISSU (International Sledge Sport Union) geführt. Denn Schneebahnen haben wir zur Genüge und geteerte Strassenabschnitte für Trainings und Rennen im Sommerhalbjahr ebenfalls. Seit einiger Zeit sind die Fahrerinnen und Fahrer aus Grindelwald und Aarberg in diesen Sportarten international podestfähig geworden. Mit der Ausrichtung einer Rollenrodel- WM im Jahr 2017 in Grindelwald hat die Schweiz auch bezüglich Organisation von Grossevents den Anschluss erreicht.

 Parallel dazu haben die beiden Clubs seit 2016 erstmals eine ganze Gruppe junger Athleten an internationale Grossanlässe (EM/ WM im Sportrodeln, Junioren- EM im Rennrodeln) entsenden können, um das finale Ziel (Rennrodel- Weltcup) zu erreichen.

Mit speziellen Trainingswochen im Südtirol (Brixen, Lana) konnten wir 2017 und 2018 die letzten Schritte machen, um einzusteigen. Und alle 7 neuen, jungen Athleten haben diesen Weltcupeinstieg mit der Saison 2017/ 18 sehr erfolgreich gemeistert.

Die erzielten Fahrten all dieser neuen FahrerInnen bei der internationalen Elite waren bemerkenswert. Denn Rennrodelsport auf NB ist kein ungefährlicher Sport. Die Unfall- und Verletzungsgefahren sind vergleichsweise hoch, wenn man technisch/ athletisch nicht vorbereitet ist.

 

Die Zielsetzung konnte mit erfolgreichem Abschluss der heurigen Premieren- Saison nun gefasst werden: sie lautet "Podesttauglichkeit bis zur WM 2021". Für alle Neuen. Denn die Grundlagen zum Erfolg sind nun geschaffen. Dieses Langfristziel werden wir erreichen, wenn auch unter schwierigsten Umständen, die uns seitens des eigenen Landesverbandes "geboten" werden.

 

Denn dieser hat erst grad heuer begriffen, dass wir im Rennrodelsport Chancen haben. Hat erst jetzt realisiert, dass der Aufbau konsequent und zielstrebig von den besagten Clubs seit Jahren angestrebt wurde. Dass Planung und hohe Aktivität durchs ganze Jahr hindurch die Voraussetzungen für Erfolg sind.  Statt nur "familiäre Gegebenheiten" und amateurhaftes Wirken, sobald sich irgendwo etwas regt. 

 

 

Einen Überblick über die herrschenden "Verhältnisse" finden Sie in der Rubrik "Sperrbezirk", die ich die kommenden Tage aufschalten werde.

 

 

Zum heutigen, positiven, sportlichen Stand der Dinge: 

 

Die jugendliche Tina (Aarberg, 13) konnte im Juniorenweltcup heuer bereits zweimal den Podest erklimmen (1. Rang in Umhausen, 3. Rang auf der Seiseralm).

Die Junioren Marco und Silvano (Grindelwald) konnten saubere und sichere Fahrten im den Juniorenweltcups Seiseralm und Umhausen, sowie an der Junioren- WM in Laas runter bringen. Mit mehr Speederfahrungen anlässlich gezielter weiterer Trainings im Südtirol werden sie noch markante Schritte nach vorne machen.

Die Juniorin Lena (Aarberg, 17) darf als grosse Überraschungsfahrerin betitelt werden. Bei drei ihrer 4 Einsätze der letzten Saison kam sie in die Finalläufe! Einmal Rang 10, einmal Rang 16 und an der J- WM ein sensationeller Rang 11, der ihr auch den Zusatzpokal als "beste Newcomerin" bescherte. Sie hat die angeordneten Zusatzkorrekturen (Kopfstellung, "Ellbogentechnik" und Beinhaltung in Kurven) radikal und erfolgreich umgesetzt.  Sie lebt wahrlich für diesen Sport und kann auch künftig voran gehen! Ihr Tempogefühl ist genial.

Die Allgemeinklassigen Natascha, Dani M. und Jérôme (alle Grindelwald) fuhren allesamt gute erste Rennen im Weltcup. Die Art und Weise, wie sie das taten, hat alle, die's verfolgt haben mit Freude erfüllt. Obschon sie seitens des völlig unorganisierten SSN alleine gelassen wurden! Tolle Athletik, gute Technik, Ruhe und Mut brachten alle drei mit. Dank vorherigen Renneinsätzen auf Teer (speziell betreut durch Trainer aus Grindelwald) und dank den gezielten Trainings auf Eis vorher. Feinkorrekturen werden nun angegangen. Danach spricht nichts dagegen, dass auch ihnen der Anschluss an die Weltspitze gelingen kann. Unter der Anleitung des "Teamsprechers" Jérôme, der selbst sehr hohe Ziele anpeilen wird!

 

Unten folgend sehen sie drei Videos vom Saison- Abschlussweltcup in Umhausen. "Eingeschränkt" haben dort Lena, Natascha und Jérôme einzig das zur Verfügung stehende Schienen- Material. Da die Temperaturen des Eises ungewöhnlich warm waren, fuhren sie auf etwas zu scharfen Schienen, was die Tempi in den Geraden natürlich reduzierte. Bei allen drei wären noch Sekunden drin gelegen! Kein Drama: mit einem neuen, hoch motivierten Materialwart werden wir per 2018/ 19 auch dieses Element noch präzise steuern können. Die junge Equipe arbeitet daran mit voller Energie. Natürlich benötigen wir dazu auch noch einiger neuer Schienen und Präparationsgeräte, um materialtechnisch mithalten zu können. 

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 Alex Elsässer, Trainer/ Betreuer 12.6.2018

 

 

 

Lenas vorerst letzte Fahrt im Weltcup. Umhausen 2018. Video gedreht ab Grossbildschirm/ Live Streaming FIL.
Wir werden die äusserst talentierte und mutige Pilotin nicht fallenlassen und neue Startmöglichkeiten für sie finden. Notfalls unter neuer Flagge.

Natascha Amacher am selben Abschluss- Weltcuprennen der Saison 2017/18 in Umhausen. Wir hoffen, dass sie ihr Talent weiter ausschöpfen wird.

Jèrôme Almer ebendort. Er wird sein Können ebenfalls noch ausbauen und weiter nach vorne rücken.

Tinas vorerst letzte Fahrt an den FIL- Jugendspielen 2018 in Latsch. Für die technisch und athletisch bestens gerüstete Jugendliche werden wir ebenfalls neue Startmöglichkeiten suchen müssen. Zur Not unter neuer Flagge.

Alle Bildrechte: FIL

 

 

 

Aussichten

Die inakzeptablen Vorgänge innerhalb des "Fachverbandes" der Schweiz haben zu einem markanten Einschnitt geführt:

Infolge grober Persönlichkeitsverletzung ihres Trainers durch SSN und infolge der weiterhin nicht existierenden, berechenbaren sportlichen Planung für das Rennteam verlassen Tina und Lena (beide Aarberg) das neue Schweizer Kader. Weitere Starts der beiden hoffnungsvollen Damen unter dem Dach von SSN (Swiss Sliding Naturbahn) sind derzeit undenkbar.

Die beiden Ladies werden unter neuer Flagge starten. Und ihr Ziel (Podestfähigkeit bis zur WM 2021!) konsequent weiter verfolgen. 

 

Die fünf Grindelwalder Athleten werden vorab autonom am eigenen Aufbau weiter arbeiten. Wir wünschen auch ihnen das Beste und vorallem mehr Ruhe im künftigen Umfeld. Eine Zusammenarbeit unter den Berner Clubs ist weiterhin das Ziel. 

 

Daneben gilt es, weitere Neue ins Boot (Weltcup- Rennrodeln) zu holen. Das ist nicht einfach. Aber es kann aufgrund der nun gewonnen Erkenntnisse rascher angegangen werden, als bisher. Mit neuen Methoden und raschem Einsatz des Zielgeräts (Rennrodel). Die beiden Teams von Grindelwald und Aarberg stehen für Interessierte jederzeit bereit. Nötige Adressen bekommen Sie via unserer Rubrik "Kontakt".

 

Das ideale Einstiegsalter für kommende Rennrodler auf Natureis liegt zwischen 8 und 18 Jahren. Infos zu Kursen und Trainings folgen.

Sommer 2018 und Winter 2018/ 19 stehen fest

In den Folgerubriken finden Sie per sofort die aktuellen Rennprogramme zum Rollen- Rennrodeln, sowie die FIL- Weltcupdaten des nächsten Winters!

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